Mitgliederbereich der E.N.S.I.G.N. OHG

Schilddrüsenerkrankungen mit Mikronährstoffen behandeln

Schilddrüsenerkrankungen mit Mikronährstoffen behandeln

Vitamine und Mikronährstoffe unterstützen die gesunde Funktion der Schilddrüse. Mehr noch, ein Vitalstoffmangel kann eine Schilddrüsenerkrankung sogar begünstigen.

Mikronährstoffe sind für eine gesunde Schilddrüse essentiell
Schilddrüsenerkrankungen sind meist unabhängig vom Alter. Tatsächlich hat in Deutschland zirka jeder Dritte eine Störung oder Krankheit der Schilddrüse. Am bekanntesten sind die Schilddrüsenunterfunktionen und Schilddrüsenüberfunktionen. Sehr weit verbreitet ist auch der sogenannte Morbus Hashimoto. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die zumeist mit einer Schilddrüsenunterfunktion vergesellschaftet ist.
Die Schilddrüse benötigt verschiedene Mikronährstoffe, um ihre Funktionen richtig entfalten zu können. Insbesondere die Spurenelemente sind für die Schilddrüse von großer Bedeutung, da ein Mangel dieser eine Schilddrüsenunterfunktion hervorrufen kann.
Über die entsprechenden Vitalstoffe und ihren Wirkungen auf die Schilddrüse möchten wir im Folgenden aufklären.

 

Jod ein wesentlicher Vitalstoff bei Schilddrüsenerkrankungen
Jod spielt für die Gesundheit der Schilddrüse eine entscheidende Rolle, denn nur in Gegenwart von Jod können Schilddrüsenhormone gebildet werden. Das Problem ist, dass der menschliche Körper Jod nicht selber herstellen kann und ebenfalls kaum speichern. Dadurch wird Jod zu einem essentiellen Spurenelement, das man ständig über die Nahrung zuführen sollte, da die Schilddrüse 80 Prozent der Gesamtmenge täglich verbraucht. Der tägliche Jodbedarf beim Erwachsenen liegt bei 150 µg bis 200 µg, bei Kindern und Jugendlichen ist dieser fast gleich hoch. Bei Schwangeren muss beachtet werden, dass hier zwei Schilddrüsen zu versorgen sind. Schwangere neigen bei Jodmangel zur Kropfbildung und die Feten zu Entwicklungsstörungen des Nervensystems oder des Gehirns.

 

Selen ist für die Schilddrüsenfunktion essentiell
Das Schilddrüsenhormon T3 wird über diverse Selenoproteine (Deiodasen) aktiviert. Bei den meisten Menschen werden die Deiodasen 1 bis 3 nicht ausreichend mit Selen versorgt, da in Deutschland kaum jemand die von der DGE geforderten 95µg Selen pro Tag erreicht. In diesem Fall ist eine Supplementation von Selen sehr hilfreich. Wenn die Deiodasen wieder mit Selen versorgt werden, aktivieren sie das Schilddrüsenhormon T3 und hypothyreote (Schilddrüsenunterfunktion) Zustände werden oft überwunden. Vor allem beim Morbus Hashimoto ist das positiv auffällig. Bei dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse kommt es oft zu Hypothyreose ähnlichen Symptomen, aber auch unspezifischen Symptomen wie chronisches Müdigkeitssyndrom, Gewichtszunahme etc. Oft werden die Zustände mit den Wechseljahre Beschwerden verwechselt und die betroffenen Frauen werden daher falsch behandelt. Dies ist tragisch, denn würde man hier Selen einsetzen, käme es innerhalb kurzer Zeit zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Bei einer Autoimmunerkrankung ist der oxidative Stress sehr hoch. Um diesen zu neutralisieren benötigt der Organismus wiederum genügend Selen, damit dieses dem wichtigsten endogenen Antioxidans System Glutathionperoxidase ausreichend zu Verfügung steht. Nur so können die zu viel auftretenden freien Radikale eliminiert werden.

 

Coenzym Q10 versorgt die Schilddrüse mit Energie
Alle Funktionen der Schilddrüse sind mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. Dies gilt vor allem bei Erkrankungen der Schilddrüse wie Morbus Hashimoto und Morbus Basedow. Viele dieser Patienten fühlen sich oft müde und schlapp und sind in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Die Energiebildung in den Mitochondrien ist in hohem Maße vom Vorhandensein von Coenzym Q10 abhängig. Bei Erkrankungen der Schilddrüse ist der Energiebedarf so hoch, dass eine Supplementation von 100 bis 200 mg Coenzym Q10 auf jeden Fall sinnvoll ist. Am besten bioverfügbar ist oxidiertes Coenzym Q10.

 

Vitamin D steuert die Bildung von Schilddrüsenhormonen
Der Vitalstoff Vitamin D steuert eine Vielzahl von hormonabhängigen Körperfunktionen[1], darunter auch die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Speziell die Selenoproteine „Deiodase 1 bis 3“ werden in Gegenwart von Vitamin D gebildet und mit Selen aktiviert.
Bekanntermaßen können die diversen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse nur über ein stabiles Immunsystem in Schach gehalten werden. Vitamin D stabilisiert die Darmflora, die einen wesentlichen Beitrag zu unserem Immunsystem leistet.. Liegt ein Vitamin-D-Mangel vor, kommt es zu einem Mangel an immunkompetenten Zellen, die die Schilddrüse zur Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen benötigt[2].
In diversen Studien konnte gezeigt werden, dass bei einem Vitamin D-Mangel Antikörper gegen die thyreoidale Peroxidase (TPO-AK) oder TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) erhöht sind. TPO-AK Werte sind bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Morbus Hashimoto erhöht und weisen auf eine hohe Entzündungsaktivität hin. Hohe TRAK Antikörper-Werte weisen wiederum auf einen Morbus Basedow (Autoimmunerkrankung der Schilddrüse mit Schilddrüsenüberfunktion) hin. Typischerweise haben Menschen mit Morbus Hashimoto oder Morbus Basedow oft erniedrigte Vitamin-D-Werte und hohe Antikörper-Werte für TPO-AK oder TRAK-AK. Nicht geklärt ist, ob niedrige Vitamin-D-Spiegel einen Morbus Hashimoto oder Morbus Basedow auslösen oder ob diese Krankheiten zu einem Vitamin D Mangel führen[3]. Auch wird vermutet, dass niedrige Vitamin-D-Werte Schilddrüsenkrebs begünstigen können, allerdings ist die Datenlage hier nicht eindeutig[4].

 

Zink ist an der Bildung von Schilddrüsenhormonen beteiligt
Der Mikronährstoff Zink stärkt zusammen mit Selen das Immunsystem und ist direkt an der Bildung von Schilddrüsenhormonen beteiligt. Ein Zinkmangel ist daher in den meisten Fällen mit einem Mangel an Schilddrüsenhormonen und damit einer Hypothyreose assoziiert. Daraus resultiert ein Teufelskreis, denn zur Resorption sind wiederum Schilddrüsenhormone notwendig, so dass sich der Zinkmangel ohne Supplementation dauerhaft steigert. Aus diesem Grund hat sich im eigenen Patientenkollektiv die Kombination aus organischem Selen mit Zink gut bewährt.

 

Vitamin K ist ein wesentlicher Transporter für Schilddrüsenhormone
Das Protein Transthyretin ist ein Transportprotein, das Schilddrüsenhormone im Serum transportiert. Damit es seine Funktion entfalten kann, muss es durch Vitamin K carboxyliert werden. Ohne diesen Transporter ist die Schilddrüsenfunktion eingeschränkt. An dieses Protein sollte man bei Therapie refraktären Schilddrüsenstörungen denken.

 

Magnesiumwird für die Synthese der Schilddrüsenhormone benötigt
Bei einer länger bestehenden Hypothyreose oder bei einem Morbus Hashimoto kommt es zu einer Stoffwechselverlangsamung. Dies führt dazu, dass nicht genügend Magnesium aus der Nahrung aufgenommen wird. Es entsteht ein Teufelskreis, denn zusammen mit Vitamin B12, Zink und diversen Aminosäuren wird Magnesium für die Synthese der Schilddrüsenhormone benötigt. Zusätzlich fördert ein Magnesium-Mangel die Produktion von entzündungsfördernden Interleukinen und speziell die unspezifischen Symptome eines Morbus Hashimoto wie Gewichtszunahme, Adynamie und chronisches Müdigkeitssyndrom nehmen in ihrer Intensität zu. Stark erniedrigte Magnesiumspiegel im Serum sind laut einer chinesischen Studie sowohl mit einer Hashimoto-Thyreoiditis als auch mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) assoziiert[5].

 

Fazit:
Egal, um welche Schilddrüsenerkrankung es sich handelt, Mikronährstoffe sind für eine funktionierende Schilddrüse von großer Bedeutung, was wir mit einem abschließenden Fallbeispiel gerne noch mal verdeutlichen möchten:
Eine 80 jährige Patienten mit bekanntem Morbus Basedow stellte sich in der Praxis vor. Obwohl sie mit Carbimazol behandelt wurde, nahmen die Beschwerden zu. Insbesondere zunehmende Kreislauffunktionsstörungen beeinträchtigten ihr tägliches Leben massiv. Auffällig bei dieser Patientin war, unter anderem ein sehr niedriger Vitamin-D-Wert mit 4,3 ng/ml. Die Patientin wurde mit 2-mal täglich 1500 IE Vitamin D3, Selen 100 µg, Zink 15 mg, Magnesium 200 mg, Pycnogenol 40 mg (alles 2x täglich) und einem Multivitamin-Mineralstoff-Basispräparat behandelt. Innerhalb von vier Wochen waren die Beschwerden deutlich rückläufig und sogar die erhöhten Antikörperwerte wurden in den Normbereich gesenkt. Aufgrund der relativen Beschwerdefreiheit konnte sogar die Carbimazol-Dosis auf die Hälfte reduziert werden.

[1] Feldkamp J. (2018) Gut leben mit Hashimoto: Das ganzheitliche Selbsthilfeprogramm. 1. Auflage, Trias Verlag, Stuttgart

[2] Bielsalski H.K., Grimm P. (2011) Taschenatlas Ernährung. 5. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart

[3] Botelho I.M.B. et al. (2018) Vitamin D in Hashimoto’s thyroiditis and its relationship with thyroid function and inflammatory status. Endocr J, doi: 10.1507/endocrij.EJ18-0166

[4] Zhao J. et al. (2018) Vitamin D deficiency as a risk factor for thyroid cancer: A meta-analysis of case-control studies. Nutrition, 57:5-11, doi: 10.1016/j.nut.2018.04.015

[5] K. Wang u.a. Severely low serum magnesium is associated with increased risks of positive anti-thyroglobulin antibody and hypothyroidism: A cross-sectional study. Sci Rep. 2018 Jul 2;8(1):9904.

Vitamin D bei Kindern

Vitamin D bei Kindern

Vitamin D und seine Interaktionspartner für eine gesunde körperliche Entwicklung und schulische Leistungsfähigkeit bei Kindern.

Die Bedeutung von Vitamin D für den Knochenstoffwechsel bei Kindern im Säuglingsalter zur Vorbeugung einer Rachitis und im Alter zur Verhinderung einer Osteoporose ist hinlänglich bekannt. Vitamin D hat jedoch noch viele weitere wichtige Funktionen und ist bereits bei Kindern und Jugendlichen im Mangel, wenn es nicht regelmäßig ergänzt wird. Würde die tägliche Versorgung mit Vitamin D3 und seinen Interaktionspartnern Magnesium, Vitamin K2, Vitamin A und Zink bereits im Wachstumsalter sichergestellt werden, ließen sich viele chronischen Erkrankungen im Erwachsenenalter verhindern.

Mehr als die Hälfte der in Deutschland und Österreich lebenden Kinder haben zu niedrige Vitamin-D-Werte. Bei einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts wurde über 15.000 Kindern in Deutschland Blut abgenommen und dabei wurde festgestellt, dass 63 % der Kinder zu niedrige OH-D-Werte aufwiesen. Besonders oft betroffen sind dunkelhäutige Kinder, deren Haut 10 bis 50-fache Menge an UV-B-Strahlen benötigt um die gleiche Menge an Calcitriol zu bilden. Jährlich treten immer noch etwa 400 Fälle von Rachitis auf, vermehrt bei Immigrantenkindern mit dunkler Hautfarbe, die keine Prophylaxe im ersten Lebensjahr erhalten haben.

 

Warum ist Vitamin D bei Kindern wichtig?

Vitamin D ist bei Kindern wichtig für den Einbau von Kalzium und Phosphat in Knochen und Zähne, so dass sich diese, in der Wachstumsphase stabil entwickeln können. Auch die Ausbildung der Muskulatur benötigt Vitamin D, es schützt auch in jungen Jahren vor Frakturen und anderen Verletzungen, sowie vor Karies. Außerdem schützt es vor Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ I, Multipler Sklerose, ADHS, Autismus, Asthma, Allergien und es ist wichtig für das Immunsystem, welches sich in jungen Jahren mit zahlreichen Bakterien sowie Viren auseinandersetzen muss. Auch die Haut- und Schleimhaut benötigt für ihre Funktionen täglich Vitamin D3. Bei einem Mangel kommt es vermehrt zur Ausbildung von Hauterkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis und Akne. Diese Haut kann aber kein Vitamin D mehr bilden, so dass sich der Mangel verstärken kann. Auch Verdauungsstörungen wie das Reizdarmsyndrom, chronische Bauchschmerzen und Verstopfung mit einer Dysbiose der Darmflora können die Folge eines Vitamin D Mangels sein. Diese wiederum führt zu einer verminderten Aufnahme von zahlreichen wichtigen Vital- und Nährstoffen und führt zu einer mangelnden Bildung von Vitamin K2 im Darmtrakt.

Was passiert bei einem Vitamin K Mangel

Ein K2-Mangel führt jedoch zu einem schlechten Einbau von Kalzium in den Knochen. Es aktiviert wichtige Proteine, die Kalzium binden und zum Zielorgan transportieren und dafür sorgen, dass es auch in Knochen und Zähne eingebaut werden kann. Bei einem Mangel von beidem kommt es vermehrt zu Knochenschmerzen und Wachstumsstörungen.
Die Lebensgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen haben sich eklatant geändert. Sie halten sich vermehrt in Räumen auf, viele bewegen sich weniger und ernähren sich zunehmend zu fett- und zuckerreich. Gut 20% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind mittlerweile übergewichtig und davon haben wiederum etwa 5% einen Typ II Diabetes.

Was sollte man bei der Vitamin D Therapie beachten

Bei der Therapie von Vitamin D sollte ein Magnesiummangel ausgeschlossen sein, ansonsten muss dieser zusätzlich ausgeglichen werden. Magnesium ist wichtig für die Energiegewinnung und -freisetzung durch die Mitochondrien, es hat zudem Einfluss auf die Erregungsleitung der Nerven- und Muskelzellen. Es ist im Nervensystem der Gegenspieler von Kalzium und sorgt für Entspannung und bessere Konzentration, schützt vor Müdigkeit und innerer Unruhe. Kinder, die körperlich sehr aktiv sind, benötigen mehr Magnesium als Gleichaltrige ruhige Kinder. Mehrere Studien seit den späten 1990er Jahren weisen auf einen signifikanten Magnesiummangel bei Kindern mit ADHS hin, deren Symptomatik sich durch Ergänzung bessert. 

Immer häufiger werden Kinder und Jugendliche mit Methylphenidat wegen ADS oder ADHS behandelt. Methylphenidat gilt in den USA mittlerweile als Droge und hat schwerwiegende Nebenwirkungen. Speziell Vitamin D ist bei Kindern mit der Diagnose ADHS oder ADS überzufällig häufig erniedrigt. Auch ist bekannt, dass ein Vitamin D Mangel oft mit Hyperaktivität einhergeht.

Daher macht es absolut Sinn Vitamin D in der Kombination mit B-Vitaminen, Magnesium und Pycnogenol (Extrakt aus der französischen Meereskieferrinde) bei Hyperaktivitätssyndromen zu geben. Diese Kombination ist in der eigenen Praxis ähnlich erfolgreich wie Methylphenidat, ohne schwerwiegenden Nebenwirkungen befürchten zu müssen.

Wichtig ist es auch Vitamin D und Vitamin A im gleichen Verhältnis zu supplementieren. Wird eines von beiden vermehrt zugeführt, wirken die beiden Vitamine wie Gegenspieler, anstatt sich zu ergänzen. Dieser Umstand muss unbedingt bei der Akne-Therapie mit hochdosiertem Vitamin A beachtet werden.

Zusammenfassung

Jedes Kind sollte auch nach dem 2. Lebensjahr mit Vitamin D3 täglich versorgt werden. Besonders wichtig ist die tägliche Ergänzung in den Wintermonaten Oktober bis März. Kinder ab 1 Jahr sollten im Winter 1520 IE täglich bekommen, im Sommer reichen evt. auch 800 IE zusätzlich zur Sonne. Besonders wichtig ist die tägliche Versorgung für die Schulkinder (ab 8 Jahren), evtl. auch in Kombination mit Magnesium und sollte hier auf 3000 IE im Winter angehoben werden. Magnesium nicht zu hoch dosieren, hier reichen meist 100 bis 200 mg als Ergänzung, je nach Alter. Wenn K2 benötigt wird, sollte ein Präparat mit K2 MK7 all trans 100% in Kapselform extra dazu gegeben werden. Kombipräparate von Vitamin D3 und K2 sind weniger empfehlenswert, da das K2 in der Produktherstellung oft verloren geht. Kinder ab 9 Jahren und Jugendliche sollten nicht mehr als 4000 IE Vitamin D3 täglich zuführen, eine hochdosierte Vitamin-D-Therapie ist in dieser Altersklasse weder notwendig, noch sinnvoll.

Vitalstoffe in der Schwangerschaft

Vitalstoffe in der Schwangerschaft

Nie ist der Bedarf an Vitalstoffen im Leben einer Frau höher wie in der Schwangerschaft.

Ausgehend vom eigenen Patientenkollektiv der letzten 20 Jahre, führt eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen zu einer Reduzierung der Schwangerschaftsbeschwerden um gut 70 Prozent. Doch auch der Fötus profitiert deutlich von einer optimierten Vitalstoffversorgung der Mutter. So ist zum Beispiel die Gehirnreifung im Wesentlichen abhängig vom B-Vitamin B6, dem Pyridoxin.

Kinder deren Mütter regelmäßig in der Schwangerschaft Pyridoxin in Form eines B-Vitamin Komplexes bekommen, sind später von Hyperaktivitätssyndromen kaum betroffen. Dies ist wichtig, denn immer mehr Kinder und Jugendliche nehmen das Betäubungsmittel Methylphenidat, besser bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin, welches das gängige Mittel bei „AHDS“ ist.

1993 lag der Verbrauch an Methylphenidat bei 37 kg Reinsubstanz, 2013 waren es schon 1876 kg Reinsubstanz. Bedenkt man die zum Teil lebensgefährlichen und wesensverändernden Nebenwirkungen von Methylphenidat, ist die Einnahme von Vitamin B6 im Rahmen eines Vitamin B-Komplexes in der Schwangerschaft und Stillzeit für den Nachwuchs enorm wichtig.

Ebenso finden sich bei Kindern von Vitalstoff subsituierten Müttern kaum Allergien insbesondere Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Etliche Studien belegen, dass eine optimale Vitalstoffzufuhr auch Missbildungen beim Kind verhindern kann. Bekannt ist dies vor allem beim sogenannten Neuralrohdefekt oder auch Spina bifida.

Das häufig empfohlene B-Vitamin Folsäure ist zwar wirksam, entfaltet seine Wirkung aber besser, wenn es zusammen mit allen anderen B-Vitaminen als Komplex gegeben wird.

Folgende Grundsätze bei der Versorgung von Schwangeren haben sich bewährt:

Als Basisversorgung sollte ein Multivitamin Präparat eingesetzt werden. Dieses sollte nach Möglichkeit die wasserlöslichen und fettlöslichen Vitamine enthalten. Auch eine Grundversorgung mit Spurenelementen und Mineralstoffen sollte beinhaltet sein. Die Biochemie der Vitalstoffe ist sehr komplex. Die meisten Vitalstoffe können Ihre Wirkung nur entfalten, wenn die richtigen Partner ausreichend vorhanden sind. So ist zwar das fettlösliche Vitamin E in der Lage den oxidativen Stress in der Zellwand zu reduzieren aber ohne Vitamin C, Selen und Eisen kann es nicht regeneriert werden.

Selen

Selen reduziert oxidativen Stress und reguliert die Schilddrüse Schwangere haben einen sehr hohen oxidativen Stress. Neben den direkten Antioxidantien, daher den wasserlöslichen und fettlöslichen Radikalenfängern, sollte auf eine ausreichende Zufuhr von Selen geachtet werden. Selen ist ein Spurenelement, das in europäischen Böden praktisch nicht mehr vorkommt. Mit der Nahrung werden im Schnitt nur 20µg Selen am Tag zugeführt. Eine Schwangere sollte aber täglich 200µg zuführen. Immer wieder wird diskutiert ob organisches oder anorganisches Selen ergänzt werden soll. Die biologisch aktive Substanz ist das organische Selen. Auch muss bei der Gabe von anorganischem Selen beachtet werden, dass es bei gleichzeitiger Gabe von Vitamin C inaktiviert wird. Bei organischem Selen besteht diesbezüglich keine Einschränkung. Viele Schwangere haben Probleme mit der Schilddrüse im Sinne einer Über- oder Unterfunktion. Auch Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse treten in der Schwangerschaft gehäuft auf. Die Schilddrüsenfunktion hängt stark vom Funktionieren der sogenannten Dejodasen ab. Hiervon sind drei Formen bekannt, die allesamt wiederum von Selen abhängig sind. Es verwundert daher nicht,dass in mehreren Studien sich die Gabe von Selen als höchst effektiv erwiesen hat um Erkrankungen der Schilddrüse während der Schwangerschaft zu vermeiden und bestehende Fehlfunktionen zu behandeln. Aus dem bisher geschriebenen resultiert daher die Empfehlung, dass Schwangere und Stillende 100µg besser 200µg organisches Selen am Tag ergänzen.

Q10 deckt den Energiebedarf

Da der Energiebedarf in der Schwangerschaft extrem ansteigt, können Schwangere diesen Mehrbedarf nur decken, wenn Sie Coenzym Q10 ergänzen. Dieses Vitaminoid ist bei der Bildung von Energie in Form von Adenosintriphosphat unerlässlich und kann durch keine andere Substanz ersetzt werden. Zwar kann jeder Mensch bis zum 40-ten Lebensjahr Coenzym Q10 selbst bilden, aber diese Bildung reicht bei einer Schwangeren bei weitem nicht aus. Um genügend Energie für eine Schwangerschaft zu haben, sollte eine Schwangere gut 200mg Coenzym Q10 ergänzen.

Vitamin D beugt einer Schwangerschaftsdepression vor und schützt das Kind vor Typ 1 Diabetes

Vitamin D ist eigentlich kein vitales Amin wie der Name vermuten lässt, sondern ein Prähormon. Da die Versorgung mit diesem Hormon schon ohne Schwangerschaft defizitär ist, ist es besonders wichtig dieses Hormon zu ergänzen. Idealerweise ist ein Vitamin D Wert von 35 bi 70 ng/dl anzustreben. Gut 70 Prozent der bei uns durchgeführten Messungen ergaben Werte deutlich unter diesem Normbereich, häufig wurden extrem niedrige Werte gemessen. Die Mutter ist vor Infektionen, Krankheiten, Stoffwechselstörungen und vor allem vor Depressionen geschützt und das Kind wird vor dem Entstehen eines Typ1 Diabetes bewahrt.

Der B-Vitamin Komplex stärkt die Nerven von Mutter und Kinder

Die wasserlöslichen B Vitamine sind bekanntermaßen unsere Nervenhormone. Sie sind für die Ausbildung eines funktionierenden Nervensystems beim Kind unerlässlich. Speziell die B-Vitamine werden gerne und häufig bei Schwangeren eingesetzt. Am besten entfalten B-Vitamine im Komplex ihre Wirkung. Vegetarierinnen und vor allem Veganerinnen müssen die B-Vitamine unbedingt ergänzen, denn diese Ernährungsform ist extrem arm an B-Vitaminen. Bei Kindern kann ein länger währender Vitamin B12 (Cobalamin) Mangel dazu führen, dass dieses Vitamin gar nicht mehr (lebenslang nicht mehr) resorbiert werden kann und es zu einer perniziösen Anämie kommt. B- Vitamine verhindern bzw. behandeln bei Schwangeren die Polyneuropathie und beugen zusammen mit Vitamin D den häufigen Schwangerschaftsdepressionen vor.

Kalzium ist wichtig für die Knochen Bildung

Kalzium muss in der Schwangerschaft um gut 30 % vermehrt zugeführt werden, da ein Großteil an den Fötus weitergegeben wird. Wird zu wenig Kalzium zugeführt, so wird es aus den Knochen der Mutter mobilisiert. Die Gesamtzufuhr sollte 1200mg betragen.

Chrom beugt Schwangerschafts-Diabetes vor

Chrom ist ein wichtiger Stoffwechselaktivator. Insbesondere Schwangere neigen zur Ausbildung eines Diabetes. Mittlerweile ist ausreichend nachgewiesen, dass Chrom die Insulinresistenz an den Zielzellen reduziert und so den Blutzuckerspiegel normalisiert. Im Handel sind organische und anorganische Chromprodukte erhältlich. Anorganische Produkte werden nur zu zirka 2 Prozent resorbiert und das auch nur wenn Sie mit Picolinat – einer unphysiologischen Säure – versetzt sind. Organische Produkte benötigen keine Zusatzstoffe und werden zu zirka 20 Prozent resorbiert. Aufgrund dieser Erkenntnisse ist die Empfehlung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA klar zu organischem Chrom. Schwangere sollten täglich 50 bis 100mg Chrom ergänzen.

Pycnogenol reguliert den Blutdruck

In letzter Zeit gibt es immer mehr Erfahrungen zu Pinienrindenextrakt besser bekannt als Pycnogenol. Pycnogenol hat ein sehr hohes antioxidatives Potential und beugt speziell in der Schwangerschaft unerwünschten Blutdruckschwankungen oder gar manifesten Hypertonien vor. Auch eine bereits bestehende Hypertonie kann mit Pycnogenol ohne Nebenwirkungen behandelt werden. In der eigenen Praxis hat sich bei der Behandlung eines Hypertonus in der Schwangerschaft die Kombination von Pycnogenol, Kalium, Vitamin D und Coenzym Q10 am effektivsten erwiesen. Der mittlere arterielle Druck nahm im Falle einer Erhöhung um gut 15mmHg ab. Pycnogenol reduziert auch das Risiko in der Schwangerschaft eine Thrombose zu erleiden. Dies konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden. Schwangere sollten täglich 160mg Pycnogenol einnehmen.

Vitamin C

Der Fötus benötigt Vitamin C zur Ausbildung von Gehirn und Nervensyste Vitamin C ist wasserlöslich und das wichtigste Antioxidans in wässriger Phase. Für die deutlich gestiegenen Anforderungen an das Immunsystem der Schwangeren ist eine Ergänzung mit diesem Vitamin obligat. Vitamin C wird nach dem Pflücken schnell verbraucht und die Lagerungsverluste liegen bei gut 40 Prozent am Tag. Auch der Fötus benötigt Vitamin C zur Ausbildung von Gehirn und Nervensystem in größeren Mengen. Aus den genannten Gründen und aufgrund des hohen Bedarfes, sollten 750 – 1500mg Vitamin C täglich ergänzt werden. Höhere Dosierungen sind nicht erforderlich und Hochdosisanwendungen kontraproduktiv, da sie die antioxidative Wirkung umkehren und das Ansprechen der Zellen auf Medikamente reduzieren.

Zink aktiviert den Zellstoffwechsel

ZinDa der Stoffwechsel einer Schwangeren deutlich gesteigert ist, benötigt die Schwangere den Stoffwechselaktivator Zink. Das Wachstum des Föten im Körper der Mutter und die steigende Zelldifferenzierung ist stark von der Zufuhr von Zink abhängig, so dass eine Supplementation in der Regel unerlässlich ist. Eine Schwangere sollte 30 – 60 mg Zink zuführen.Besonders bewährt haben sich hier Selen und Zink Kombinationen.

Omega 3 fördert die Gehirnreifung des Fötus

Omega 3 Fettsäuren sind für Schwangere sehr wichtig. Sie verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und beugen so Thrombosen und Embolien vor. Zusammen mit Pyridoxin fördern Omega 3 Fettsäuren die Gehirnreifung des Fötus. Schwangere mit Gelenkschmerzen finden in Omega 3 Fettsäuren ein natürliches Schmerzmittel. Schwangere sollten täglich gut 2000 mg Omega 3 Fettsäuren ergänzen.

Zusammenfassung:

Eine sinnvolle Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft ist sowohl für die Mutter als auch für den Fötus sinnvoll und nötig. Da viele Schwangerschaftsbeschwerden ursächlich einen Vitalstoffmangel haben, sind substituierte Schwangere viel seltener krank.

Selen – das größte Antioxidant des Körpers

Selen – das größte Antioxidant des Körpers

Das Spurenelement Selen wurde 1817 von Jörg-Jakob Berzelius entdeckt, doch seine wichtigen Funktionen für den menschlichen Organismus wurden zuerst unterschätzt. Bis 1957 galt es sogar als Gift. Erst Mitte der 70-er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden immer mehr Wirkungen des Selens entdeckt und wissenschaftlich beschrieben.

Selen ist der einzige Vitalstoff im menschlichen Körper, für den Gene bereit stehen um Selen abhängige Enzyme zu bilden. Bisher sind 25 selenabhängige Enzyme bekannt.

Selen – wesentlich für das Immunsystem

Ein gut funktionierendes Immunsystem ist die Grundlage für Gesundheit und Vitalität in jedem Alter. Es schützt uns vor Krankheiten und verhindert die Ausbildung von Krebserkrankungen. Selen ist wesentlich für die Funktion des Immunsystems.

Eine der Hauptursachen für die Schwächung der Immunabwehr sind freie Radikale, die unter anderem auch unsere Immunzellen schädigen können. Selen kommt im menschlichen Organismus in sämtlichen Geweben und Organen in unterschiedlicher Konzentration vor, um unsere Körperzellen vor dem Angriff von freien Radikalen zu schützen. Viele chronische Erkrankungen und Entzündungen entstehen durch den Angriff von freien Radikalen auf die Zellwände und Zellstrukturen, die ohne einen ausreichenden Schutz durch Antioxidantien zerstört werden und so zum Zelluntergang führen.

Selen ist das wichtigste körperinnere Antioxidans, denn im Gegensatz zu Vitamin A, C, E und den anderen direkten Radikalenfängern ist es wesentlich intensiver wirksam und schützt uns zusätzlich vor der Entartung Von Zellen. Es kann auch Schwermetalle an sich binden und so zur Entgiftung des Körpers beitragen. Dies zeigt die enorme Bedeutung von Selen für unsere Gesundheit und den Schutz vor Krebserkrankungen, sowie chronischen Entzündungen.

Selen reguliert die Schilddrüse

Besonders wichtig ist Selen auch für das Funktionieren der Schilddrüse. Das Ausschütten von aktiven Schilddrüsenhormonen ist im Wesentlichen vom Funktionieren spezieller Enzyme – den sogenannten Dejodasen – abhängig. Diese Enzyme funktionieren jedoch nur, wenn genügend Selen im Körper vorhanden ist. Mangelt es an dem Spurenelement kommt es oft zu Schilddrüsenfehlfunktionen. Speziell bei Erkrankungen wie Morbus Hashimoto oder der Basedow-Krankheit, führt eine Optimierung der Selenzufuhr zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden.

Wie viel Selen benötigen wir?

Die Frage ist, wieviel Selen benötigen wir täglich für unsere Gesundheit. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt nur einen Schätzwert von 60-70 µg an. Um alle wichtigen Funktionen des Selens im Körper entfalten zu können sollten täglich zwischen 100 und 200 µg zugeführt werden. Höhere Mengen sind normalerweise nicht notwendig und Selen kann auch überdosiert werden (ab 800 µg). Natürlich sollte man immer bestrebt sein die Vitalstoffzufuhr über die Nahrung zu decken. Im Falle von Selen ist dies durch Auswaschung der Böden in Deutschland nahezu unmöglich. Um 200 µg Selen mit der Nahrung zuzuführen müssten jeweils folgende Mengen an einem der Nahrungsmittel täglich zugeführt werden:

  • 1400 g Fleisch
  • 4000 g Wurst
  • 6600 g Milch
  • 800 g Eier
  • 800 g Fisch
  • 24.000 g Gemüse
  • 40.000 g Kartoffeln
  • 50.000 g Obst

Einzige Ausnahme sind Paranüsse. Der Selengehalt von zwei Paranüssen am Tag kann den Tagesbedarf normalerweise leicht decken. Dies gilt allerdings nur für ungeschälte Nüsse. Diese sind in Europa aber kaum zu bekommen, denn durch die Lagerung bilden sich hochgefährliche Schimmelpilze, daher sind die zumeist erhältlichen Nüsse geschält und daher Selen arm.

Aufgrund dieser Daten ist es daher Gesunden und vor allem Kranken anzuraten Selen als Nahrungsergänzung täglich zuzuführen. Hierbei gilt es folgendes zu beachten:

Das wenige im Boden vorkommende Selen ist anorganisch, wird aber von Tieren und Pflanzen aufgenommen und zu organischem Selen umgewandelt. In der Nahrung vorkommendes Selen ist organisch und zum Beispiel an Aminosäuren wie Methionin oder Cystein gebunden. Dagegen kann wird Selen in Nahrungsergänzungsmitteln sowohl in organischer als auch in anorganischer Form angeboten. Da bekannt ist, dass organische Selenverbindungen leichter vom Körper aufgenommen werden und in selenabhängigen Enzymen und Selenproteinen enthalten sind, sollte nur organisches Selen als Nahrungsergänzung zugeführt werden. Dies deckt sich auch mit den Empfehlungen der europäischen Behörde für Nahrungsmittelsicherheit der EFSA. Außerdem werden organische Selenverbindungen durch die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C nicht abgebaut. Somit kann organisches Selen problemlos zusammen mit Vitamin C haltigen Nahrungsmitteln eingenommen werden.

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Die Frage, ob Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind, stellen sich nicht nur ein Großteil der Bevölkerung, sondern auch Angehörigen medizinischer Berufe. Der Begriff Nahrungsergänzung ist zusätzlich irreführend, denn eigentlich geht es um die Sicherstellung der Grundversorgung mit allen Vitalstoffen, die unser Organismus für die Gesunderhaltung und Aufrechterhaltung zahlreicher Körperfunktionen täglich braucht. Es geht, im Einzelnen, um die Sicherstellung der Versorgung mit Vitaminen, Vitaminoiden, Pflanzenbegleitstoffen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren und essentiellen Fettsäuren.

In Westeuropa können wir zwar zu jeder Jahreszeit sämtliche Obst- und Gemüsesorten kaufen, doch die Vitalstoffqualität der Nahrungsmittel ist dabei sehr unterschiedlich. Vor der Reifung geerntete Nahrungsmittel, lange Transportwege, Lagerhaltung und Haltbarmachung von Lebensmitteln sorgen für hohe Nährstoffverluste. Auch durch die Zubereitung kann ein Großteil der Vitalstoffe verloren gehen. Ein Beispiel hierfür: Ein direkt vom Baum gepflückter Apfel enthält ca. 250 mg Vitamin C. Pro Tag Lagerung verliert der Apfel etwa 40 % von seinem Vitamin-C-Gehalt, denn die Vitalstoffe dienen dem Schutz der Frucht und nicht unserer Ernährung. Das alleine spricht natürlich schon mal dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel durchaus sinnvoll sind. Doch das allein ist noch nicht alles.

Mangel im Überfluss

Viele Studien belegen den (Vitalstoff-)Mangel im (Nahrungsmittel-)-Überfluss in Westeuropa. Selbst wenn man die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie von 2008, die lediglich die sehr niedrig angesetzten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) berücksichtigt, erreichen nicht alle Deutschen diese Minimalwerte an Vitalstoffen. Bei den DGE-Empfehlungen handelt es sich hauptsächlich um Werte für einen gesunden männlichen Erwachsenen mit 70 kg Körpergewicht und die Empfehlung ist so angesetzt, dass sie mit einer typischen deutschen Durchschnittskost auch erreicht werden kann. Unbeachtet bleiben ein erhöhter Bedarf an Vitalstoffen in den verschiedenen Lebensabschnitten, besondere Ernährungsformen und Menschen mit Krankheit und Medikamenteneinnahmen.

Massive Vitalstoffmängel bei Bewohnern im Alters- oder Pflegeheim

Die Datenlage zahlreicher Studien ist eindeutig und die Notwendigkeit einer Ergänzung der Nahrung mit Vitalstoffen, zur Sicherstellung der Grundversorgung, nicht zu bestreiten. Speziell alte Menschen im Alters-, Pflegeheim oder im Krankenhaus leiden sehr oft unter Vitalstoffmängeln. In einer Studie wurde die englische Krankenhausnahrung untersucht: 100 g Erbsen enthielten nach dem Auftauen 20,5 mg Vitamin C, nach dem Kochen 8,1 mg, nach einer Stunde im Warmhaltewagen 3,7 mg und auf dem Teller des Patienten nur noch 1,1 mg des Vitamins.[1] Darüber hinaus haben ältere Menschen das Problem, dass die Aufnahme in den Körper von vielen Vitalstoffen deutlich reduziert ist. Um den Bedarf zu decken müssten ältere Menschen mehr essen wie jüngere. In der Realität lässt aber der Hunger im Altern nach und Vitalstoffe werden noch weniger aufgenommen. Zusätzlich leiden ältere Menschen oft an Krankheiten des Herzens und der inneren Organe. Viele ältere Menschen nehmen daher sechs und mehr Medikamente täglich ein. Medikamente verbrauchen große Mengen an Vitalstoffen, so dass eine Ergänzung von Vitalstoffen dringend erforderlich ist. Speziell bei Herzerkrankungen können Vitalstoffe wie Coenzym Q10 und Selen die Behandlung deutlich positiv beeinflussen. In der Q-Symbio und Kisel10 Studie konnte zum Beispiel nachgewiesen werden, dass mit den Vitalstoffen CoenzymQ10 und Selen bei gut der Hälfte der Studienteilnehmer eine bestehende Herzschwäche gebessert werden konnte. Gerade bei älteren Menschen ist daher eine Nahrungsergänzung nicht nur sinnvoll, sondern regelrecht essentiell.

Nahrungsmittelqualität aus Sicht der Vitalstoffe

Es gibt kein Lebensmittel, das alle für den Menschen erforderlichen Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält. Durch Vorbelastung der Böden, Lagerung und industrielle Verarbeitung etc. wissen wir nicht, wie viele Vitamine wir uns mit der Nahrung zuführen. Wir wissen nur, dass es viel zu wenige sind.

Durch Genussmittel, Medikamente, Stress und besondere Lebenssituationen ist unser Bedarf starken Schwankungen unterworfen. Die Zunahme von Zivilisationskrankheiten ist ein deutlicher Hinweis auf eine unzureichende Nährstoffzufuhr trotz Überangebot und Vielzahl an Nahrungsmitteln.

Die Fakten sprechen eindeutig für eine Basisversorgung mit einem guten Multivitamin Supplement. Natürlich gilt es als erste Maßnahme die Ernährung zu optimieren, doch viele Menschen schaffen das im (beruflichen) Alltag kaum. Wie wichtig das ist, kann bei der WHO (Weltgesundheitsorganisation) nachgelesen werden. Die WHO erklärt, dass die Hälfte aller Darmkrebsfälle vermieden werden könnten, wenn die Menschen mindestens 30 g Ballaststoffe täglich zuführen würden. Tatsächlich – falls man sich nicht vegetarisch oder vegan ernährt – werden vom Durchschnittsbürger nur ca. 10 g täglich erreicht. Es ist fast schon beschämend, dass diese einfache Maßnahme – die Erhöhung der Zufuhr von Ballaststoffen – nicht viel mehr in der Presse propagiert wird. Immerhin könnte in unserem Land viel Leid aber auch viele Arzneimittelkosten eingespart werden.

Ähnlich verhält es sich mit den Medikamentenkosten. Auch hier sehen viele Forscher ein Einsparpotential von gut 50 Prozent, wenn die Menschen ausreichend mit Vitalstoffen versorgt wären

FAZIT: 

Eine mit dem Arzt auf Ihre Werte abgestimmte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht nur sinnvoll, sondern in den meisten Fällen sogar dringend notwendig.

[1] Chemische Qualitätssicherung der Krankenhauskost. In: Akut.Ernähr.Med. (1993) 18:296-304

Vitamin D – das unterschätzte Sonnenvitamin

Vitamin D – das unterschätzte Sonnenvitamin

Über kein anderes Vitamin wird so viel diskutiert, wie über das Sonnenvitamin Vitamin D. Spätestens seit der Nationalen Verzehrstudie von 2008 ist bekannt, dass 82% der Männer und 91% der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr von Vitamin D nicht erreichen. Dabei ist der Anteil bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen (mehr als 86% der Männer und mehr als 96% der Frauen) und den Senioren mit 94% der Männer und 97% der Frauen am Höchsten. Diese Zahlen basieren auf den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die mit 20 µg oder 800 I.E. pro Tag sehr niedrig angesetzt sind. Moderne Wissenschaftler empfehlen eine tägliche Zufuhr von 4000 bis 8000 I.E. um den Blutspiegel von Vitamin D-Stoffwechselprodukten auf einem Niveau zu halten, welcher Krankheiten wie Multiple Sklerose, Diabetes mellitus Typ 1, Brust- und Darmkrebs verhindern kann . Die niedrigere DGE Empfehlung richtet sich nach der Menge die, benötigt wird, um die bekannte Vitamin D Mangelkrankheit Rachitis oder Osteomalazie zu verhindern. Doch Vitamin D hat viele weitere Funktionen im Organismus. Vitamin D ist kein „vitales Amin“ daher Vitamin, sondern ein Prähormon. Dennoch hat sich der Begriff Vitamin D etabliert und wird beibehalten.

Versorgungsituation in Deutschland

In den Wintermonaten leiden mehr als 30% der Deutschen an einem schweren Vitamin D-Mangel (< 10 ng/ml). 80% der Deutschen haben über das ganze Jahr gesehen ein Defizit. Im Sommer haben 75% der Senioren einen leichten bis schweren Mangel. Da Deutschland in der nördlichen Hemisphäre liegt, ist die Stärke der UV-B Strahlung niedrig. Dies führt dazu, dass selbst in den sonnigen Monaten April bis September der UV-B Index oft unter 3 liegt. Vitamin D kann aber erst ab einem Index von über 3 in der Haut gebildet werden. Nur von April bis September, bei sonnigem Wetter, zwischen 10.30 und 16.30 Uhr ist der Index über 3. Tägliches Sonnenbaden im Sommer für 15 bis 30 Minuten mittags ist am effektivsten, bei längerer Einstrahlung sinkt die Umwandlung in der Haut ab. Wichtig ist der Verzicht auf Sonnenschutzmittel, die uns zur Hautkrebsprophylaxe empfohlen werden. Zumindest die ersten 15 bis 30 Minuten sollte ohne Sonnenschutz Vitamin D getankt werden, danach ist eincremen sinnvoll. Empfindliche Hauttypen müssen Vitamin D ergänzen, als positiver Nebeneffekt scheint eine gute Vitamin-D-Versorgung einen Sonnenbrand zu verhindern. Sonnenschutzfaktor 8 reduziert die Vitamin-D-Produktion um 95% und Faktor 15 um 99%. Menschen mit dunkler Hautfarbe, die in Deutschland leben, sind oft von einem Vitamin-D Mangel betroffen, denn das Farbpigment Melanin, wirkt wie ein natürlicher Sonnenschutz und mindert die Vitamin D-Produktion. Bei Messungen in unserer Praxis stellten wir fest, dass 84% der Patienten einen Mangel aufwiesen (< 30 ng/ml) und 25% einen extremen Vitamin D-Mangel (< 4 ng/ml) hatten.

Wer ist mangelgefährdet?

Die junge Generation verbringt viel Zeit an Computern, Spielekonsolen und geht wenig in die Sonne. Menschen die sehr viele Stunden in geschlossenen Räumen verbringen, sowie alte Menschen die generell ungern in die Sonne gehen oder in Heimen auf das Herausbringen durch Angehörige und Pflegepersonal angewiesen sind. Auch Menschen mit Adipositas haben einen erhöhten Vitamin-D-Bedarf, sowie Schwangere, Kinder, kranke Menschen, Menschen mit bedeckter Kleidung und Verschleierung, sowie stark pigmentierte Haut. Eine Blockade der Cholesterinaufnahme durch Statine führt zu einem erheblichen Vitamin-D-Mangel. Auch Diuretika, Antidepressiva, Antieptileptika und Cortison reduzieren Vitamin D.

Vitamin D Funktionen

Vitamin D reguliert mit Parathormon und Kalzitonin den Kalzium- und Phophatstoffwechsel. Die Zielorgane sind Dünndarm, Nieren, Knochen und Nebenschilddrüse. Es beugt Rachitis vor, weshalb Kinder nach der Geburt regelmäßig Vitamin D erhalten. Im Alter beugt es der Osteoporose und dem langsamen Verlust der Muskelkraft vor. Vitamin D regt die Bildung von Proteinen an, die die Immunkraft stärken. So ist es nicht verwunderlich, dass eine regelmäßige Vitamin D Einnahme das Risiko für Atemwegserkrankungen halbieren kann. Es wirkt vorbeugend bei Krebserkrankungen und reduziert die Zellteilung von Tumorzellen. Außerdem verhindert es die Bildung von Blutgefäßen für die Versorgung des Tumors und behindert dadurch das Tumorwachstum. Es verwundert daher nicht, dass Menschen mit niedrigem Vitamin-D- Spiegel überproportional häufig an Krebs erkranken. Vitamin D reduziert die Ausbildung von Botenstoffen die den Blutdruck erhöhen. Es ist ein fettlösliches Antioxidans und wirkt so der Oxidation von Cholesterin und anderen Zellstrukturen entgegen. Es fördert die Ausschüttung von Insulin und schützt so vor Diabetes mellitus. Zusätzlich beeinflusst es den Serotoninstoffwechsel und beugt Depressionen vor. Vitamin D schützt den Fötus im Mutterleib vor Diabetes, Infektionen, Allergien und entzündlichen Hautkrankheiten. Aufgrund seiner vielfältigen Wirkungen sind die Folgen eines Vitamin D-Mangels sehr verschieden und zum Teil schwerwiegend. Oft lohnt es sich den Vitamin D-Spiegel zu prüfen und anzuheben, um Medikamente zu reduzieren. Das Sterberisiko im Alter steigt um 47% bei einem leichten und um 83% bei einem schweren Mangel an. In der LURIC-Studie hatten die Teilnehmer über 60 Jahre sogar eine 60-128% höhere Sterblichkeitsrate durch D Mangel (Krebserkrankung, Apoplex, Herzversagen). In Deutschland könnten jedes Jahr 20.000 Menschen durch eine gute Vitamin-D-Versorgung gerettet werden.

Vitamin D Therapie

Ziel ist, den Vitamin D Spiegel im optimalen Versorgungsfenster zu halten (> 45 ng/ml). Die Bestimmung ist sehr einfach mittels eines Bluttests. In klinischen Studien war die Gabe von 700-1000 I.E. Vitamin D täglich nur bei 50% der Teilnehmer effektiv. Bei 2000 I.E. Vitamin D täglich erreichten 93% der Teilnehmer einen optimalen Blutwert von 125 nmol/l. Anzustreben ist eine tägliche Dosierung von 2000 bis 4000 I.E (z.B. Vitamin D3 Pharma Nord D- Pearls 1520 IE). Vitamin D ist fettlöslich, daher sind Kapseln mit Öl oder Fettanteil vorzuziehen. Die tägliche Dosis sollte bei einem Mangel auf zwei Dosen verteilt werden. Hochdosis Präparate mit einer einmal wöchentlichen Gabe von 20.000 I.E. scheinen nicht immer effektiv zu sein, dies könnte am Vergessen der Einnahme liegen. Bei einem erheblichen Mangel führte jede Erhöhung der täglichen Einnahme um 1000 I.E. zu einem Anstieg des Spiegels um 10 ng/ml. Bei einem Spiegel > 30 ng/ml war der Anstieg nur noch 8 ng/ ml, bei über 50 ng/ml nur noch 5 ng/ml. Dies bedeutet, die Verstoffwechselung von Vitamin D nimmt proportional mit dem steigenden Blutspiegel ab, die Dosis kann nach einiger Zeit reduziert werden.