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Mangelernährung im Alter vorbeugen mit Vitalstoffen

Mangelernährung bei älteren Menschen in einem hochindustrialisierten Land, wie Deutschland, scheint eigentlich unvorstellbar. Doch gerade im höheren Lebensalter ist dies weit verbreitet, die Gründe dafür sind vielfältig. Gerade ältere Menschen ernähren sich oft hypokalorisch und sind nicht in der Lage sich ständig mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Eklatant wird die Situation, wenn ältere Menschen im Altersheim oder Pflegeheim leben. Der Vitalstoffgehalt der dort abgegebenen Nahrung ist verarbeitungsbedingt sehr niedrig, so dass Bewohner/innen in sozialen Einrichtungen in der Regel einen Vitalstoffmangel aufweisen. Die Gruppe der älteren Menschen sind auch diejenigen, die am meisten Medikamente benötigen. Da viele medizinische Wirkstoffe jedoch die Vitalstoffaufnahme aus der Nahrung behindern, verstärkt sich der Mangelzustand zum Teil erheblich.

Zusammengefasst stellt sich die Situation bzgl. der Vitalstoffversorgung im Alter wie folgt dar. Ältere Menschen:

  • haben einen verminderten Grund- und Leistungsumsatz. Dies vermindert die Resorption der Vitalstoffe.
  • haben einen deutlich verminderten Appetit, was mit einer verminderten Nahrungsaufnahme einhergeht. Ursächlich ist ein beschleunigtes Sättigungsgefühl bedingt durch eine verminderte Dehnbarkeit des Verdauungsapparates und einer verminderten Produktion von Sättigungshormonen wie das Cholezystokinin.
  • trinken in der Regel zu wenig Flüssigkeit (Wasser), was die Resorption von Vitalstoffen behindert.
  • haben oft Störungen des Gebisses oder leiden an Schluckbeschwerden und Geschmackverlust. Essen wird so oft zur Qual und eine Mangelversorgung ist vorprogrammiert.
  • haben chronische Verdauungsstörungen wie Gastritis, Divertikulitis und Reizdarm. Hierdurch wird die Vitalstoffaufnahme massiv behindert.
  • Haben altersbedingt eine massiv reduzierte Eigensynthese vieler Vitalstoffe wie Vitamin K2, Vitamin D und Coenzym Q10. Ein Ausgleich über die Nahrung alleine, ist in der Regel, nicht möglich.
  • Oft einen Mangel an schwer resorbierbare Vitalstoffe wie zum Beispiel Karotinoide, Folsäure und Vitamin B12. Diese werden durch die oben beschriebenen Mechanismen schlecht bis, gar nicht resorbiert.
  • Haben einen erhöhten Bedarf an etlichen Vitalstoffen wie Vitamin D, Vitamin B12, Vitamin B6 und Vitamin C, trotz der verminderten Resorption.

 

Da die Mikronährstoffe in der Ernährungsmedizin als die „Wirksubstrate“ des Körpers gelten, ist es nur logisch, dass eine Vitalstoffsupplementation für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des älteren Menschen elementar ist. Im Folgenden werden die wichtigsten Vitalstoffe für ältere Menschen beschrieben.

Coenzym Q10

Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Vitaminoid. Das sind Substanzen, die ähnliche Wirkungen wie Vitamine haben, der Körper aber teilweise selber herstellen kann. Beim Coenzym Q10 funktioniert die Eigenproduktion altersabhängig etwa bis zum 40. Lebensjahr. Danach wird dieser Vitalstoff essentiell, das bedeutet er muss von außen zugeführt werden um die benötigten mindestens 100 mg Coenzym Q10 am Tag zu erreichen. Über die Nahrung können täglich maximal 20 mg erreicht werden. Die besondere Bedeutung des Coenzym Q10 liegt in seiner Rolle bei der sogenannten Atmungsketten-Phosphorylierung. In diesem enzymatischen Prozess wird die für uns notwendige Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP) gebildet. Die ATP-Bildung geschieht in den Kraftwerken der Zellen, in den sogenannten Mitochondrien. Hierbei handelt es sich um Bakterien, die in unsere Körperzellen vor Urzeiten eingewandert sind und mit unseren Zellen in Symbiose getreten sind. Pro Zelle haben wir ca. 4.000 bis 11.000 Mitochondrien. Da der menschliche Organismus aus ca. 80 Billionen Zellen besteht, besitzen wir eine gigantische Zahl an Mitochondrien. 95 Prozent der Energiebildung in den Mitochondrien ist vom Coenzym Q10 abhängig. Schon ein Verlust von wenigen Prozent an Coenzym Q10 vermindert die körperliche Energiebildung deutlich und der Organismus wird leichter krank. Das belegen Untersuchungen von Q10-Plasmaspiegeln bei diversen Krankheitsbildern. Bei älteren Menschen ist die Coenzym-Q10-Produktion oft um mehr als die Hälfte erniedrigt. Der daraus resultierende Energieverlust erklärt das häufige Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen wie z.B. eine Herzinsuffizienz. In der Q-Symbio Studie von Mortensen et al. konnte die Zugabe von 300 mg Coenzym Q10 bei Herzinsuffizienz die Mortalität bei den europäischen Studienteilnehmern um gut 53 Prozent senken. Dies ist ein einzigartiges Ergebnis, denn die Herzinsuffizienz gilt eigentlich als nicht heilbar. Die eingesetzten Medikamente dienen lediglich zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufes.

Sehr oft wird – vor allem in Internet – über die Art der Supplementation von Coenzym Q10 kontrovers diskutiert. Als Nahrungsergänzungsmittel werden oxidiertes Coenzym Q10 (Ubiquinon) und reduziertes Coenzym Q10 (Ubiquinol) auf dem deutschen Markt angeboten. Eigentlich ist es nicht relevant, welche Oxidationsstufe gegeben wird, da beide Formen in den Mitochondrien enthalten sind und das Coenzym Q10 seinen Oxidationsstatus pro Sekunde mehrere tausendmal wechselt. Das aktive oxidiertes Coenzym Q10 wird kurz nach der Einnahme in die reduzierte Form umgewandelt. Auch das Coenzym Q10, das mit der Nahrung aufgenommen wird ist die oxidierte Form. Alle großen medizinischen Studien sind mit oxidiertem Coenzym Q10 durchgeführt worden, so dass die Wirksamkeit und Sicherheit gewährleistet ist. Zudem ist oxidiertes Coenzym Q10 (z.B. Q10 Bio Qinon Gold) oft günstiger als das reduzierte Q10.

Selen

Dieses Spurenelement ist für Vitalität und Gesundheit unerlässlich. Bisher sind 21 sogenannte Selenoproteine bekannt, die für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit unerlässlich sind. Speziell zur Abwehr freier Radikale, für ein funktionierendes Immunsystem ist Selen wichtig. Leider ist die Versorgung mit Selen hierzulande über die Nahrung in keiner Altersstufe ausreichend und verschärft sich mit zunehmendem Lebensalter. Deswegen sollten ältere Menschen täglich 100 µg bis 200 µg Selen zusätzlich zur Nahrung ergänzen. Wie vorteilhaft das ist, hat die Kisel10 Studie von Alehagen et al. bewiesen. In dieser Studie erhielten gesunde Seniorinnen und Senioren 200 µg Selen in Kombination mit 200 mg Coenzym Q10. Dies führte zu einer Reduzierung der Todesfälle für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um gut 50 Prozent. Wird Selen supplementiert, so sollte auf organisches Selen zurückgegriffen werden. Organisches Selen wird am besten resorbiert, bildet Speicher und die Halbwertzeit im Körper stellt eine ausreichende Versorgung, aller Selenoproteine, in der Regel sicher.

Vitamin D

Bei Vitamin D handelt es sich nicht um ein klassisches Vitamin (vitales Amin) sondern um eine Hormonvorstufe. Ein geringer Anteil an Vitamin D kann über die Nahrung zugeführt werden und es existiert auch in der Haut – allerdings nur bei entsprechender Sonnenexposition – eine Eigensynthese. Schon bei jüngeren Menschen sind beide Wege nicht ausreichend, so dass gut 80% der Deutschen – zumindest in den Wintermonaten – unter einem Vitamin-D-Mangel leiden. Im Alter ist dies deutlich stärker der Fall, denn sowohl die enterale Resorption als auch die Vitamin-D-Bildung in der Haut sind erheblich reduziert. Das ist für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit sehr abträglich, denn Vitamin D steigert die Leistungsfähigkeit unseres Immunsystems, beugt Krebserkrankungen vor, stärkt die Kochenmatrix und schützt so vor der Entstehung einer Osteoporose. Vitamin D reduziert ebenfalls eine Atherosklerose Bildung in den Arterien und einen zu hohen Blutdruck. All diese Wirkungen sind nur möglich, wenn das Vitamin D täglich zugeführt wird. Idealerweise sollten 1500 IE bis 3000 IE Einheiten Vitamin D3 täglich ergänzt werden. Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D2 sind weniger effektiv, da eine höhere Dosis benötigt wird um die gleichen Effekte wie beim Vitamin D3 zu erzielen, außerdem konnte in Sturz- und Frakturprophylaxe-Studien (Bischoff-Ferrari et al. 2009) festgestellt werden, dass hier das Vitamin D3 eine bessere Wirkung zeigt.

Magnesium

Im Alter kommt es schnell zu einem Magnesiummangel, denn die Zufuhr nimmt aufgrund reduzierter Nahrungsaufnahme ab – vor allem schwer verdauliche magnesiumreiche Nahrungsmittel wie Hülsenfrüchte werden gemieden – aber der Bedarf an dem Mineralstoff bleibt gleich. Durch Magnesiummangel steigt das Risiko für Krankheiten wie Diabetes mellitus und Herzkrankheiten wie Herzrhythmusstörungen, an. Auch die von älteren Menschen häufig beklagten Verstopfungen beruhen oft auf einem Magnesiummangel. Der Mineralstoff bessert zusätzlich den Schlaf – viele alte Menschen klagen unter Schlafstörungen – der oft ein Ausdruck eines Magnesium-Mangels ist. Magnesium stabilisiert biologische Zellmembranen und regelt deren Durchlässigkeit für Elektrolyte. Der Mineralstoff sorgt daher für das biologische Gleichgewicht des Mineralstoffhaushalts aller Körperzellen und ist Ko-Faktor der Natrium-Kalium-Zellpumpe. Magnesium spielt eine zentrale Rolle bei der Kalium-Homöostase, es beeinflusst die Verteilung von Kalium im intra- und extrazellulären Bereich. Bei einem Magnesiummangel werden die Kaliumkanäle beeinflusst und die Durchlässigkeit der Zellmembranen für Kalium erhöht. Dadurch kommt es bei einem Magnesiummangel in der Folge zur Hypokaliämie, der häufig begleitet wird durch eine Hypokalziämie, sowie eine erhöhte Ausscheidung von Phosphat und Kalium  über die Nieren. Eine reine Kaliumtherapie ist in diesem Fall nicht effektiv, erst wenn der Magnesiummangel beseitigt ist, kann die Hypokaliämie erfolgreich therapiert werden. Ein Kaliummangel im Alter ist häufig anzutreffen, zumal dieser durch Medikamente verstärkt werden kann. Er hat weitreichende Folgen auf den Blutdruck und das Risiko für Schlaganfälle steigt. In Seniorenheimen konnte bei 36% der Bewohner ein ausgeprägter Magnesiummangel nachgewiesen werden, aber auch latente Mängel sind in der gesamten Bevölkerung weit verbreitet.

Eingedenk dieser Tatsachen sollten ältere Menschen täglich 200 mg bis 400 mg Magnesium zu sich nehmen. Hierbei ist zu beachten, dass Einzeldosen nicht mehr als 250 mg betragen sollten. Um eine optimale Versorgung des Organismus zu gewährleisten sollte die tägliche Dosis, ab 200 mg, daher auf morgens und abends verteilt werden.

Zink

Zink gehört zu den essentiellen Spurenelementen und muss mit der Nahrung zugeführt werden. Es ist zentraler Bestandteil von über 200 Enzymen und damit entscheidend für alle Vorgänge die eine Protein Synthese erfordern wie Zellproliferation, Zellwachstum, Wundheilung, Körperwachstum und Rekonvaleszenz bei Krankheiten, vor allem wenn diese eine infektiöse Ursache haben. Ein alimentär bedingter Zinkmangel ist im Alter sehr häufig und mit folgenden Symptomen vergesellschaftet:

Appetitverlust, Gewichtsabnahme, periorifizielle Ekzeme, schuppige, trockene Hautekzeme, gestörter Geschmacks- und Geruchssinn, Zunahme der Infektionshäufigkeit, Anämie, dünne, spröde Haare, Stomatitis, Glossitis, Depression, Stimmungslabilität, Apathie und Demenz.

Diese Symptome werden in der Regel mit dem Alter begründet und sollten in der Zukunft daher auch als Vitalstoffdefizit gesehen werden.

Omega 3 Fettsäuren

Omega 3 Fettsäuren haben vielfältige Funktionen im Organismus. Sie verbessern die Immunfunktion, die kognitiven Fähigkeiten und schützen vor Thrombosen. Auch ältere Menschen könnten über die Nahrung durch entsprechenden Fischverzehr genügend Omega 3 Fettsäuren zuführen, doch ist in der Regel eine Supplementation einfacher und für die Dauerversorgung sicherer. Eine tägliche Zufuhr von 1000 mg bis 3000 mg hat sich in der Praxis bewährt.

Carnitin

Das im Alter die Muskelmasse abnimmt ist physiologisch. Ab dem 60. Lebensjahr liegt der Kraftverlust bei gut drei Prozent im Jahr. Carnitin kann diesen Prozess zumindest verlangsamen und so dazu beitragen die Muskelkraft möglichst lange aufrecht zu erhalten. Dies trifft auch für den Herzmuskel zu, wo Carnitin hilft einer Herzinsuffizienz bzw. Kardiomyopathie vorzubeugen.

Pycnogenol

Hierbei handelt um Pflanzenbegleitstoffe die aus den Rinden der französischen Seekiefer (Pinus pinaster) gewonnen werden. Pycnogenol ist stark entzündungshemmend wirksam und wirkt vor allem der Überoxidation der älteren Haut entgegen. Da ältere Menschen oft über trockene und rissige Haut klagen und zudem oft sogenannte „Alterswarzen“ beklagen, ist Pycnogenol ein sinnvolles Supplement.

Fazit

Mangelernährung und damit verbunden Mängel an Vitalstoffen sind im Alter regelmäßig anzutreffen. Eine entsprechende Supplementation mit Vitalstoffen schützt vor Infektionen, typischen Alterskrankheiten und hilft die geistige und körperliche Fitness lange zu erhalten.